Kindertagesstätte und Bicester Park: warum nur in schwarz-weiß denken?

Familie und Jugend


Karin Jagusch, Ratsmitglied

Seit über 12 Jahren bin ich im Familienausschuss bzw. seit der Kommunalwahl 2020 im Sozialausschuss, da ich auf Grund meiner Berufserfahrungen in verschiedenen sozialen Bereichen, hier am besten mitreden kann. Als gelernte medizinisch- technische Assistentin (MTA) habe ich u.a. in der Pflege, in der Betreuung von Menschen mit Behinderung und die letzten zwei Jahre als Inklusionshelfer in einer KiTa gearbeitet. Es gab seitdem kein Jahr, in dem wir in Neunkirchen-Seelscheid ausreichend KiTa-Plätze hatten. Auch jetzt geht es im Ausschuss wieder um Abhilfe von diesem Mangel. Es soll eine neue Kita in Seelscheid oberhalb des Bicester-Parks gebaut werden. Das war eigentlich auch alles schon so gut wie klar und auch der zuständige Jugendhilfeausschuss hat in seiner Sitzung am 10. März 2022 seine Zustimmung erteilt. Doch dann kam es im Rat im Zuge politischer Beratung zu Diskussionen, die darin gipfelten, dass von dem Bau der Kindertagesstätte an dieser Stelle abgesehen werden soll, damit der Park in seiner vollen Größe erhalten bleibt. Das macht mich fassungslos.

Gerade die Außenspielfläche ist für Kinder in diesem Alter sehr wichtig, um ihrem Bewegungsdrang gerecht werden zu können.

Der Bedarf, diese KiTa zu bauen, ist seit der Kindergartenbedarfsplanung 2019/2020 allen Fraktionen bekannt und Bürgermeisterin Nicole Berka hat gegenüber dem Kreisjugendamt die Dringlichkeit deutlich gemacht. Ein erster KiTa-Träger hatte sich seinerzeit leider zurückgezogen. Allerdings wurde schon damals mitgeteilt, dass zur Realisierung der KiTa möglicherweise ein Teil der Außenfläche des Parkgeländes genutzt werden müsse. Nachdem im Februar 2020 der Bedarf noch deutlicher in Seelscheid ersichtlich war, wurde in Absprache mit dem Kreisjugendamt beschlossen ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren für die Beauftragung eines Investors sowie eines KiTa-Trägers zu initiieren. Ein Investor und auch ein Träger wurden gefunden, sodass zum Kindergartenjahr 2021/2022 das Provisorium mit 30 Plätzen (das entspricht 1,5 Gruppen) in der „KiTa Eulenbusch“ den Betrieb aufgenommen hat. Zwischenzeitlich wurde nun sogar der Bedarf an einer 3-gruppigen Einrichtung festgestellt.

Nun hat sich auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein zu Wort gemeldet und meldet generelle Bedenken gegen die neue KiTa oberhalb des Bicester Parks an.

Was man hierbei allerdings nicht vergessen darf: auch der Bereich Bicester- Park und der auf der anderen Straßenseite befindliche Josef-Lascheid-Platz wurden im Rahmen von ISEK im Rahmen von Ortsbegehungen betrachtet.

Die Rückmeldungen lauteten (nachzulesen im ISEK Gesamtkonzept für Neunkirchen-Seelscheid):

  • Der Bicester-Park hat nicht die Qualität eines öffentlichen Platzes/Treffpunktes. Es handelt sich „nur“ um eine Grünfläche, die mit gezielten Maßnahmen aufgewertet werden könnte.“
  • „Josef-Lascheid-Platz ist eine überdimensionierte graue Platzfläche, die als Parkplatz genutzt wird (Hoher Versiegelungsgrad); Gezielte Aufwertungsmaßnahmen sind vorstellbar. Asphaltfläche entsiegeln“

Ich werde mich gemeinsam mit meiner Fraktion dafür einsetzen, dass die Kindertageseinrichtung an der jetzigen Stelle errichtet wird, auch wenn dafür ein kleiner Teil des Bicester-Parks für eine Außenfläche genutzt werden soll. Gleichzeitig soll aus meiner Sicht im Rahmen der Umgestaltung des Josef-Lascheid-Platzes eine Aufwertung des gesamten Bereichs erreicht werden. Warum diskutieren wir nicht über diese Gesamtlösung und denken gerade nur in schwarz-weiß?

Andernfalls stehen bald 30 Kinder wieder ohne eine Kindertagesbetreuung auf der Straße und wir haben dieselbe Situation wie Anfang 2019: die Suche nach einem Grundstück in Seelscheid!

PS: Seit mehreren Jahren haben sich Bürgermeisterin Nicole Berka und Kreistagsabgeordnete Nicole Männig-Güney dafür eingesetzt, dass das für die KiTa-Betreuung zuständige Kreisjugendamt die Planungsgrundlage ändert und somit die Platzzahl deutlich erhöht wird. Durch einen Antrag der SPD-Fraktion im Jugendhilfeausschuss des Rhein-Sieg Kreises wurde dann der Beschluss gefasst, dass Kommunen im Einzelfall höhere Berechnungsgrundlagen festlegen dürfen. Dies wird seitdem durch Neunkirchen-Seelscheid auch intensiv genutzt.