Viel Zustimmung für Ende des „Turbo-Abiturs"

Veröffentlicht am 20.11.2016 in Schule und Bildung

Das Podium

Landtagsabgeordneter Schlömer lud zur Diskussion

Die Schulzeitverkürzung am Gymnasium in NRW hat seit ihrer Umsetzung durch CDU und FDP für viel Ärger gesorgt, vor allem bei Schülerinnen und Schülern, die das Gymnasium in acht statt bisher neun Jahren absolvieren müssen. Um über eine Reform des „Turbo-Abiturs“ zu diskutieren, hatte der SPD-Landtags-abgeordnete Dirk Schlömer zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

 

Die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Renate Hendricks, stellte den Reformvorschlag der SPD vor, der wieder eine Sekundarstufe 1 von sechs Jahren und eine Oberstufe zwischen zwei und vier Jahren vorsieht. Das Modell würde flächendeckend an allen Gymnasien wieder ein Abitur nach neun Jahren vorsehen und gleichzeitig für leistungsstarke Schüler eine Verkürzung auf „G8“ ermöglichen. Außerdem hätten alle Schüler am Ende der Jahrgangsstufe 10 wieder einen anerkannten Schulabschluss. Entscheidend, so Hendricks, sei der Blick auf den Einzelnen, der über seine individuelle Zeit bis zum Abitur erst in der neunten Klasse entscheiden müsse.

 

Für Schlömer und die SPD ist die Meinung der betroffenen Schülerinnen und Schüler besonders wichtig. Deswegen nahmen gleich zwei Schüler auf dem Podium Platz. Von seinen positiven Erfahrungen mit einem ähnlichen Modell konnte Moritz Michel, Schüler des Antonius-Kolleg in Neunkirchen-Seelscheid, berichten, weil das Gymnasium als Modellschule schon beide Varianten anbietet, allerdings mit der Entscheidung schon vor Beginn der 5. Klasse. Der Gymnasiast wünschte sich eine spätere Entscheidungsmöglichkeit, wie im Modell der SPD. Gegen das heutige G8-Modell argumentierte Tim Münster, Sprecher der Juso-SchülerInnen NRW, und kritisierte den aufgebauten Druck und die fehlende Zeit für Berufsorientierung oder auch Freizeit. Sein Ziel ist wieder ein Abitur nach neun Jahren.

 

Auch Martin Roth, Schulleiter des Hennefer Gymnasiums, hielt die Ziele von G8 für verfehlt, da der überwiegende Teil der Schüler eben nicht direkt in Studium oder Ausbildung starte. Er plädierte für ein durchlässiges System, in dem die Entscheidung über den endgültigen Weg möglichst weit nach hinten verschoben ist. Die heutige verkürzte Schulzeit sei auch für Lehrer frustrierend, da die Zeit fehle, Inhalte einzuüben. Organisatorische Probleme, sowohl G8 als auch G9 in einer Schule anzubieten, sah der Schulleiter nicht.

 

Elternvertreterin Andrea Kaminski bemängelte genau wie Roth, dass bei G8 die Lerninhalte oft nicht mit der Entwicklung und Reife der Schüler zusammenpassten. Hier könne Entschleunigung durch ein weiteres Schuljahr helfen. Einig war man sich darin, dass die Lehrpläne unabhängig von der Frage der Schulzeit zu überfrachtet seien und dass bei einem flexiblen Modell das Abitur nach neun Jahren wohl wieder die Regel werden würde. Landtagsabgeordneter Dirk Schlömer sah viel Zustimmung für das Modell „G9flexi“ der SPD, das nun weiter mit Experten und Praktikern diskutiert werden soll, um Hauruck-Aktionen zu vermeiden und ein Modell zu finden, das für die nächsten Jahrzehnte Klarheit schafft.

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